"Wir kamen bis nach Celle. Da wurden wir von einer Bombe getroffen. Den Rest der Inhaftierten hat man im Wald versammelt. Am Waldrand hatten wir uns - ungefähr 100 Menschen - versammelt. Wir wussten nicht, wohin wir gehen sollten. Irgendwelche Militärs hatten uns umzingelt und befahlen uns, sich auf die Erde zu legen und begannen, uns zu erschießen. Wir liefen in Panik in verschiedene Richtungen: einige in den Wald, die wurden nicht erschossen. Die, die in die Stadt liefen, wurden erschossen. Im Wald befanden sich schon einige Tausende Inhaftierter aus unserem Zug. Wie es sich herausstellte, gehörten die Waggons mit Inhaftierten zu dem Zug, in dem Panzer, Kanonen usw. transportiert wurden. Die Deutschen dachten, unseretwegen würde man den Zug nicht bombardieren. Der Waggon mit Lebensmitteln war ebenfalls durch Bombenwurf vernichtet worden. Wir gingen dorthin, um zu essen. Die ganze Zeit über flogen die Flugzeuge. Für zwei gab man eine Dose Konserven. Dann sagte man uns, wir sollten zu Fuß gehen, diejenigen, die nicht gehen konnten, würden mit den Autos gefahren werden. Die, die nicht gehen konnten, wurden aber erschossen. Wir hörten die Schüsse."

Aus: Häftlinge aus der UdSSR in Bergen-Belsen. Dokumentation der Erinnerung. "Ostarbeiterinnen" und "Ostarbeiter", Kriegsgefangene, Partisanen, Kinder und zwei Minsker Jüdinnen in einem deutschen KZ. Frankfurt am Main/Berlin Bern/ Bruxelles/New York/Oxford/Wien. Nolte, Hans-Heinrich (Hg.) [darin: Ahatolij Ljutikop beschreibt seinen Weg nach Bergen-Belsen, S. 100-101.]